Das beruflich oder betrieblich genutzte Arbeitszimmer

 

1             Allgemeines    

2             Was ist ein häusliches Arbeitszimmer?

3             Komplettabzug bei Tätigkeitsmittelpunkt

3.1          Es liegt nur eine Tätigkeit vor

3.2          Es liegen mehrere Tätigkeiten vor

4             Beschränkter Abzug bei fehlendem Alternativarbeitsplatz

5             Gestaltungen für den Komplettabzug

5.1          Außerhäusliches Arbeitszimmer

5.2.        Betriebsstätte

5.3          Vermietungsmodell mit Arbeitgeber                  

6             Absetzbare Raumkosten

7             Berechnung der Bürofläche

8             Besondere oder zeitlich verteilte Nutzung des Arbeitszimmers

8.1          Mehrere betriebliche und berufliche Tätigkeiten im Arbeitszimmer

8.2          Nutzung des Arbeitszimmers durch mehrere Personen

8.3          Nicht ganzjährige Nutzung des häuslichen Arbeitszimmers

9             Besonderheiten bei Selbständigen

 

1      Allgemeines

Das Arbeiten von zu Hause aus wird immer beliebter und einfacher. Moderne Telekommunikationstechniken in vielen Bereichen machen es für Arbeitnehmer und Selbständige möglich, auch in ihrer privaten Wohnung jederzeit für Mitarbeiter, Kunden oder Lieferanten erreichbar zu sein. Wird eine haupt- oder nebenberufliche Tätigkeit im häuslichen Arbeitszimmer ausgeübt, können die dadurch entstehenden Kosten allerdings nicht in jedem Fall in der Einkommensteuererklärung als Werbungskosten oder Betriebsausgaben geltend gemacht werden.

Geltende Abzugsbeschränkungen

Aufwendungen für das häusliche Arbeitszimmer können nach dem Einkommensteuergesetz nur in zwei Fallkonstellationen Betriebsausgaben bzw. Werbungkosten sein:

·       Ein unbegrenzter Abzug der Kosten ist möglich, wenn das häusliche Arbeitszimmer den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Betätigung bildet und der Arbeitnehmer bzw. Selbständige dort diejenigen Handlungen vornimmt und Leistungen erbringt, die für den ausgeübten Beruf wesentlich und prägend sind.

·       Ein begrenzter Abzug bis maximal 1.250 € pro Jahr ist möglich, wenn im Arbeitszimmer zwar nicht der Tätigkeitsmittelpunkt liegt, für die betriebliche oder berufliche Tätigkeit des Erwerbstätigen jedoch kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht. Mit dieser Begrenzung will der Gesetzgeber den typischerweise entstehende Aufwand für ein häusliches Arbeitszimmer mit einer Durchschnittsgröße von 12 bis 14 m² abdecken.

Sofern der Erwerbstätige nicht in eine der zwei obigen Kategorien fällt, kann er die Kosten seines häuslichen Arbeitszimmers nicht steuerlich abziehen.

Beispiel 1

Arbeitnehmer A nutzt ein Arbeitszimmer, in dem sich nicht sein Tätigkeitsmittelpunkt befindet; zudem verfügt er noch über einen Alternativarbeitsplatz im Betrieb seines Arbeitgebers. In 2013 hat A Mietaufwendungen in Höhe von 6.000 € getragen, an Nebenkosten für die gemietete Wohnung hat er 1.200 € gezahlt. Das Arbeitszimmer ist 15 m² groß. Die gesamte Größe der Wohnung beläuft sich auf 60 m².

Lösung

Auf das Arbeitszimmer entfallen 1/4 der Kosten, das heißt 1.800 €. Da das Arbeitszimmer steuerlich jedoch keine Anerkennung findet (kein Tätigkeitsmittelpunkt, vorhandener Alternativarbeitsplatz), kann A die Kosten nicht als Werbungskosten absetzen.

Abwandlung 1

A steht für die berufliche Tätigkeit kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung.

Lösung

A kann für das Arbeitszimmer Kosten in Höhe von 1.250 € geltend machen.

Abwandlung 2

Das Arbeitszimmer bildet den Mittelpunkt seiner gesamten beruflichen Tätigkeit.

Lösung

A kann die gesamten angefallenen Kosten in Höhe von 1.800 € in seiner Einkommensteuererklärung als Werbungskosten abrechnen.

Hinweis: Nimmt der Steuerpflichtige innerhalb eines Kalenderjahres eine Nutzungsänderung des Arbeitszimmers vor (z.B. Nutzung zunächst als Arbeitszimmer, ab Juli 2013 dann als Kinderzimmer), können nur die Aufwendungen für die Zeiten abgezogen werden, in denen eine berufliche Nutzung bestand und

 - kein Alternativarbeitsplatz vorhanden war (= beschränkter Abzug) bzw.

 - der Tätigkeitsmittelpunkt im Arbeitszimmer lag (= unbeschränkter Kostenabzug).

 

Wie ein Komplettabzug erreicht werden kann

Die obigen Abzugsbeschränkungen gelten jedoch nur, wenn der Raum begrifflich ein häusliches Arbeitszimmer ist (siehe hierzu Punkt 2). Sofern der Arbeitsraum als „außerhäusliches Arbeitszimmer“ (siehe hierzu Punkt 5.1) oder als „Betriebsstätte“ (siehe hierzu Punkt 5.2) qualifiziert werden kann, sind die Raumkosten steuerlich stets in voller Höhe als Werbungskosten oder Betriebsausgaben absetzbar. Dies gilt auch dann, wenn ein steuerlich anzuerkennendes Vermietungsmodell zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber eingerichtet wurde (siehe hierzu Punkt 5.3).

Ist der Arbeitsraum (z.B. Büroraum in der Privatwohnung) hingegen unstreitig ein häusliches Arbeitszimmer, so kann ein kompletter Kostenabzug nur erreicht werden, wenn der Erwerbstätige dem Finanzamt glaubhaft dargelegt kann, dass er schwerpunktmäßig von zu Hause aus arbeitet, er somit seinen Tätigkeitsmittelpunkt im Arbeitszimmer hat.

In der Praxis kommt es vor allem bei Tätigkeiten im Außendienst (kein anderer Arbeitsplatz vorhanden) immer wieder zu Abgrenzungsproblemen, inwieweit der Büroaufwand voll oder nur mit 1.250 € steuermindernd abgezogen werden darf. Die schwierige Differenzierung in der Praxis rührt auch daher, dass sich die Finanzgerichte sehr oft mit Einzelfällen beschäftigen müssen.

Dieses Merkblatt erklärt, wann das Finanzamt ein häusliches Arbeitszimmer akzeptiert, mit welchen Gestaltungen ein Komplettabzug der Raumkosten erreicht werden kann, welche Kosten absetzbar sind und welche Sonderregelungen beachten werden müssen.

 

 

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